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Paragliding World Cup Brazil, Baixo Guandu 2026

Task 2 und 3 – schnelles Racing und Schweizer im Spitzenfeld

Andy Aebi, 7. October 2026
Der gestrige Task 2 brachte ein 85 km langes Rennen – und bereits kurz nach dem Start einige spannende taktische Entscheidungen. Tim, Albino und ich erwischten einen perfekten Start. Ich war etwas höher als der Pulk und flog alleine voraus, weil mir die Linie über den Berg Richtung erste Boje als sichere Variante erschien. Leider war sie das nicht – und so verlor ich gleich zu Beginn den Spitzenpulk. Auf dem Weg Richtung Nordwesten konnte ich langsam wieder aufholen. Tim war zu diesem Zeitpunkt bereits ganz vorne und startete einen Angriff weit übers Flachland. Mir erschien diese Variante etwas zu riskant, weshalb ich eine Linie näher an den Bergen wählte. Auch ich war nun alleine unterwegs, erwischte aber eine Hammerlinie und konnte mich wieder über dem Spitzenpulk positionieren. Von da an liess es sich für einen grossen Teil des Rennens ziemlich entspannt vorne mitfliegen. Bei der zweiten Wende begannen wir langsam, uns auf den Endanflug vorzubereiten: noch ein- oder zweimal aufdrehen und dann Vollgas Richtung Goal. Doch unsere Gruppe erwischte eine schlechte Linie. Der nachfolgende Pulk bemerkte dies rechtzeitig, korrigierte – und plötzlich waren fast alle wieder zusammen. Auch Tim hatte sich inzwischen tief aus dem Flachland ausgegraben und wieder zu uns aufgeschlossen. Tim und ich starteten schliesslich mutig den Angriff auf den Endanflug. Wegen einer schlechten Linienwahl mussten wir allerdings nochmals etwas vom Gas und wenige hundert Meter vor dem End of Speed noch ein paar Kreise drehen. Das kostete uns einige Plätze, änderte aber nichts daran, dass es ein richtig starker Flugtag für das Schweizer Team war. Auch Albino erreichte diesmal das Goal – entsprechend gross war die Freude! Task 3 – 101 Kilometer und Thermik dort, wo kein Berg steht Der heutige Task 3 führte über 101 km südlich und westlich um den Startplatz und anschliessend zurück nach Baixo Guandu. Ein grandioser Flugtag mit starken Bedingungen und wenig Wind. Der Start erfolgte an derselben Boje wie am Vortag. Diesmal hatte ich gelernt, wo hier die Thermik steht – meistens nicht am Berg! So erwischte ich nicht nur einen guten Start, sondern konnte mich auch danach direkt vorne einreihen. Die Strecke führte zunächst Richtung Süden den Bergen entlang. Dabei galt es, einerseits nicht von den stark ziehenden Wolken eingesogen zu werden und andererseits nicht zu tief zu geraten. Genau das wurde Tim kurzzeitig zum Verhängnis. Er setzte darauf, dass es am Berg sicher hochgehen würde – was natürlich genau dort nicht funktionierte. Der Pulk zog über ihn hinweg. Lange dauerte das allerdings nicht. Weil einige Wolken kräftig zogen, mussten Teile des Feldes – mich eingeschlossen – Umwege fliegen. Tim nutzte seine Chance, konnte tief wieder einsteigen und schloss erneut auf. Kurz vor der dritten Boje Richtung Westen riss das Feld komplett auseinander und es bildeten sich drei verschiedene Gruppen. Meine war leider die tiefste. Aber dafür gibt es hier einen ziemlich zuverlässigen Indikator: Wenn man tief fliegt und plötzlich Tim begegnet, weiss man definitiv, dass man zu den Tiefsten im Feld gehört. Wir konnten uns jedoch gut ausgraben. Rund 20 km vor dem Ziel startete der Spitzenpulk einen Angriff und flog relativ tief zu einer Wolke, die sich genau in diesem Moment auflöste. Das spielte uns in die Karten: Wir konnten eine östlichere und letztlich bessere Linie Richtung Goal wählen. Am Ende erreichten erneut alle drei Schweizer das Ziel. Tim so tief, dass er sogar innerhalb der End-of-Speed-Section nochmals aufdrehen musste – aber ich glaube, diesen Nervenkitzel braucht er einfach. Wobei es auch bei mir durchaus knapp war und 100 oder 200 Meter mehr Höhe ganz angenehm gewesen wären. Ein wunderschöner Task und aus Schweizer Sicht erneut ein erfolgreicher Tag. Albino kam nur 1:55 Minuten später ebenfalls mit einer starken Zeit ins Goal.
XC Sertao

A game of chance or a game of skill?

Philipp Aeschbach, 6. October 2026
In den Alpen kommt das gute Wetter zwar nur selten, aber wenn es kommt, ist ein grosser Flug quasi garantiert. Hier in der Sertão hat es jeden Tag über 10 Stunden Thermik und man könnte theoretisch immer 400 km fliegen, an den windigeren Tagen über 500. Doch so einfach ist es nicht: Am Morgen ist die Thermik schwach, der Wind stark und die Basis tief. Selbst die besten Piloten kommen nicht jedes Mal durch, meine eigene Quote ist frustrierend tief. Klar, mit einem späteren Start könnte man die Chancen deutlich erhöhen, aber wer Rekorde fliegen will, muss den ganzen Tag nutzen. So probieren wir es täglich aufs Neue. Die Thermik beginnt spätestens um 7 Uhr, oft schon deutlich früher. Anfangs nimmt man jedes Steigen mit, aber die Thermikkerne sauber zu zentrieren, ist hier eine Kunst für sich. Auch die gemachten Beobachtungen richtig zu interpretieren, braucht Eingewöhnungszeit. Zu oft sehe ich Wolken oder gar steigende Urubus und ordne das dazugehörige Steigen trotzdem falsch im dreidimensionalen Raum zu. Denn die Luft steigt morgens in einem sehr flachen Winkel vom Boden zur Wolke auf. Gegen Mittag steigt die Basis, die Thermik wird stärker und der Wind lässt in der Regel nach. Dann werden die Bedingungen vergleichbar mit dem, was wir aus der Schweiz kennen. Es bleibt also nur eines: Üben, üben, üben! Je besser man mit den Bedingungen der ersten Stunden zurechtkommt, desto grösser werden die Chancen auf einen grossen Flug. Heute war der bisher windigste Tag und Nico ist als Einziger von uns durchgekommen. Nun hat er gute Chancen, auf über 500 km zu kommen. Die restliche Crew startet morgen einen neuen Versuch. ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ Dans les Alpes, le beau temps est certes rare, mais lorsqu'il est là, un grand vol est presque garanti. Ici, dans le Sertão, il y a plus de 10 heures de thermique par jour et l'on pourrait théoriquement toujours voler 400 km, et même plus de 500 km les jours les plus ventés. Pourtant, ce n'est pas si simple : le matin, le thermique est faible, le vent est fort et la base est basse. Même les meilleurs pilotes ne passent pas à chaque fois – mon propre taux de réussite est frustramment bas. Bien sûr, en décollant plus tard, on pourrait nettement augmenter ses chances, mais quiconque veut battre des records doit exploiter toute la journée. C'est ainsi que nous réessayons jour après jour : le thermique commence au plus tard à 7 heures, souvent bien plus tôt. Au début, on prend tout ce qui monte, mais centrer proprement les noyaux thermiques est ici un art en soi. Bien interpréter les observations faites demande également un temps d'adaptation. Trop souvent, je vois des nuages ou même des urubus qui montent, et j'attribue malgré tout mal l'ascendance correspondante dans l'espace tridimensionnel. En effet, le matin, l'air monte du sol vers le nuage selon un angle très faible. Vers midi, la base s'élève, le thermique devient plus fort et le vent faiblit généralement. Les conditions deviennent alors comparables à ce que nous connaissons en Suisse. Il ne reste donc qu'une seule chose à faire : s'entraîner, s'entraîner, s'entraîner ! Mieux l'on gère les conditions des premières heures, plus grandes sont les chances de réaliser un grand vol. Aujourd'hui a été la journée la plus ventée jusqu'à présent, et Nico est le seul d'entre nous à être passé. Il a désormais de bonnes chances de dépasser les 500 km. Le reste de l'équipe fera une nouvelle tentative demain.
Paragliding World Cup Brazil, Baixo Guandu 2026

1. Gültiger Lauf am PWC Baixo Guandu, Brasilien

Andy Aebi, 5. October 2026
Nach einem verregneten Trainingstag am Samstag zeigte sich das Wetter am Sonntag zwar etwas besser, doch tiefe Basis und schwache Thermik verhinderten weiterhin einen gültigen Lauf. Bereits die Auffahrt zum Startplatz wurde auf den aufgeweichten, lehmigen Strassen zum Abenteuer – die letzten paar hundert Meter mussten wir zu Fuss zurücklegen. Ein Task wurde zwar angesagt, aus Sicherheitsgründen aber schliesslich abgesagt. Mit Blick auf die sehr guten Prognosen für den Rest der Woche sicher die richtige Entscheidung. Heute war es dann endlich so weit: Ein 74 Kilometer langer Task wurde ausgeschrieben und geflogen. Der erste Teil führte teilweise gegen den Wind. Dabei musste man aufpassen, nicht zu tief ins Lee der Hügel zu geraten. Genau dort erwischte Albino eine schlechte Linie, kam tief an und musste lange kämpfen. Dadurch verlor er den Anschluss an die Spitzengruppe und war fortan meist alleine unterwegs. Im mittleren Teil des Tasks lag ein grosser Teil der Strecke unter einer geschlossenen Wolkendecke. Die direkte Linie funktionierte kaum, sodass wir einen grösseren Umweg nördlich der Ideallinie fliegen mussten. Im Pulk gelang das einigermassen gut, für Albino alleine war es jedoch extrem schwierig und er musste den Task leider vorzeitig beenden. Für Tim und mich lief es besser. Ich flog bewusst eher defensiv, denn im Flachland war es schwierig, die richtige Linie und vor allem den nächsten zuverlässigen Thermikbart zu finden. Kurz vor der letzten Boje kam dann der entscheidende Moment: Einige hundert Meter vor unserem Pulk entdeckte ich einen Urubu, der in der Thermik kreiste. Ich verliess die Gruppe und flog zu ihm – und traf prompt einen richtig starken Bart. Als der Rest des Pulks wenige Sekunden später ebenfalls kam, war er bereits zu tief und verlor den Anschluss. So konnte ich mich mit einer kleinen Gruppe absetzen und schliesslich mit etwas Mut als Erster den Endanflug starten. Ein richtig spannender Auftakt in die Rennwoche von Baixo Guandu!
XC Sertao

Das Leben in der Sertao

Benjamin Fankhauser, 1. October 2026
Bis jetzt war jeder Tag fliegbar. Fly - Eat - Sleep - Repeat. Resp. fahre noch 8h nach Caico zurück, falls der Flug gut war. Langsam kommt die Ermüdung und wir müssen abwägen, ob wir das weitere Training brauchen, oder die Energie für den Rekordflug sparen. Aber ohne Sertao-Training fliegen die Newcomer auch keine Rekorde. Schwierig. Daneben machen wir Siesta, planen mögliche Weltrekorde oder füllen die Formulare aus: Nico Suremann hat mit seinem Flug am 25.09.2026 einen Weltrekord in der Kategorie Junior (U26) geflogen. Bei der Kategorie "Straight Distance to Declared Goal" geht es darum, vor dem Flug ein Ziel festzulegen und dieses fliegerisch zu treffen. Sein Ziel lag 326 km entfernt und ist ein Zylinder mit 400m Radius. Gratulation! Die FAI muss nun prüfen, ob da alles korrekt war. Auf der Webseite fai.org/records findet man unter "Hangliding and Paragliding" und der Subclass "O-3" die Rekorde und Rekordversuche im Gleitschirmfliegen: FAI Rekorde. Neben verschiedenen Distanzrekorden gibt es auch Rekorde in Geschwindigkeit oder Höhengewinn. In den jeweiligen Kategorien: General, Female, Multiplace und Junior. Piloten, die auf dem entsprechenden Kontinent angemeldet sind, können auch kontinentale Rekorde fliegen. Für ein Rekord braucht es ein Plan, das passende Wetter und vor allem viele Anläufe. Seb Ospina hat eine Woche lang erfolglos versucht, mit dem Tandem, ein Weltrekord zu fliegen. Klingt in der Theorie relativ einfach, ist in der Praxis mit Wind, wenig Landemöglichkeiten und der Gleitzahl von einem Ziegelstein unerwartet schwierig. Mit dem Enzo ist er wieder voll in seinem Element und hohlt sich den Weltrekord in der Kategorie "Declared Distance using up to 3 Turnpoints". Gratulation Seb! (Mehr dazu im Bericht von Gestern). Gestern haben wir versucht diesen Rekord gleich wieder zu überbieten. Sebi, Steffi und Olivier haben sich während dem Flug anders entschieden weil der Wind sie zu nördlich am Turnpoint vorbei gedrückt hat. Nico hat den Turnpoint gehohlt, ist aber abgestanden und ich wäre fast am Notschirm in die Jurema. Wie gesagt, es braucht mehrere Anläufe. Das Wetter sieht ab Sonntag wieder vielversprechend aus. ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ Jusqu’ici, on a pu voler tous les jours. Voler – Manger – Dormir – Recommencer. Ou plutôt, faire encore huit heures de route pour rentrer à Caicó si le vol a été bon. La fatigue commence à se faire sentir et nous devons décider si nous avons besoin de poursuivre l’entraînement ou s’il vaut mieux garder notre énergie pour le vol de record. Mais sans entraînement dans le Sertão, les nouveaux venus ne battent pas de records non plus. Difficile. À côté de ça, nous faisons la sieste, préparons d’éventuels records du monde ou remplissons les formulaires : avec son vol du 25.09.2026, Nico Suremann a établi un record du monde dans la catégorie Junior (moins de 26 ans). Dans la catégorie « Straight Distance to Declared Goal », il s’agit de déclarer un objectif avant le vol et de l’atteindre en vol. Son objectif se trouvait à 326 km et correspondait à un cylindre de 400 m de rayon. Félicitations ! La FAI doit maintenant vérifier que tout était conforme. Sur le site fai.org/records, sous « Hangliding and Paragliding » et dans la sous-classe « O-3 », on trouve les records et les tentatives de record en parapente : Records FAI. Outre les différents records de distance, il existe aussi des records de vitesse et de gain d’altitude, dans les catégories General, Female, Multiplace et Junior. Les pilotes inscrits sur le continent concerné peuvent également établir des records continentaux. Pour battre un record, il faut un plan, une météo adaptée et surtout de nombreuses tentatives. Pendant une semaine, Seb Ospina a essayé sans succès de battre un record du monde en tandem. Cela paraît relativement simple en théorie, mais en pratique, avec le vent, peu de possibilités d’atterrissage et la finesse d’une brique, c’est étonnamment difficile. Avec l’Enzo, il est de nouveau pleinement dans son élément et décroche le record du monde dans la catégorie « Declared Distance using up to 3 Turnpoints ». Félicitations Seb ! (Plus de détails dans le récit d’hier.) Hier, nous avons essayé de battre ce record à notre tour. Sebi, Steffi et Olivier ont changé de plan en vol parce que le vent les avait déportés trop au nord du point de virage. Nico a atteint le point de virage, mais a dû se poser, et moi, j’ai failli finir dans les juremas sous mon parachute de secours. Comme je le disais, il faut plusieurs tentatives. La météo s’annonce à nouveau prometteuse à partir de dimanche.
XC Sertao

Record attempt

Stephanie Westerhuis, 1. October 2026
Chrischi about his record attempt on September 29 We were in the air shortly before 7 a.m. At that time, there were only a few small cumulus clouds, and the thermals were still very weak. Nevertheless, we managed to stay airborne all the way to Patu. That was where the first beautiful cumulus clouds started to develop, and suddenly it became much easier to find good lines and strong lift. That was also the moment when Seb (Sebastian Ospina) and Chrischi (Christoph Richert) joined up and, from then on, worked as a team, trying to find the best lift under each cloud. Together, we flew south past Quixadá towards the three declared turnpoints. Near the third turnpoint, we missed the cycle slightly, and the thermals were very weak. Chrischi got extremely low, down to around 100 AGL, and had to struggle for a long time in a small valley before finally managing to climb back up. Seb was already able to continue into the next valley, but he also got very low there. Because of the poor landing options and the remoteness of the area, this was an extremely unpleasant situation for him as well. But he also fought his way back up and was then slightly ahead. That was crucial, because the goal had to be reached before sunset for the world record to count. However, time was also running increasingly short for him. With practically no sunlight left, he found the last bit of lift, managed to gain enough altitude once again and finally flew into goal only a few minutes before sunset, with just 70 AGL – and thereby secured the record. When he landed, Chrischi was still 20 km short of goal. Luckily, the fantastic Fly With Andy crew was already on its way and picked him up from the wilderness shortly after landing. Seb had a bit more trouble reaching the next road, as his landing site was surrounded by bushes. Seb has therefore actually set a new world record in “Declared Distance Using Up to 3 Turnpoints” with 444.4 km! Although he flies for the UK, we congratulate him - and hope he flies for Switzerland at some point in the future. ;-) And the Swiss team is already planning a longer task to take down Seb's record.