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Tag 2, Task 2

Nachtrag zu Task 1 gestern: Nachdem über Nacht die Scoring-Formel geändert wurde (von PWC 2017 auf PWC 2016) und bei der Auswertung die angekündigte, geringe Toleranz zur Anwendung kam (was 7 Piloten die ins Ziel geflogen waren, zurückwarf weil sie Bojen verpasst hatten), veränderten sich die Resultate zu meinen Gunsten, und somit ist mein erster internationaler Task-Sieg seit 2007 Tatsache.

Task 2: Der Tag begann grau, komplett abgedeckt, trotzdem fuhren wir hoch, am Startplatz erwartete uns ein strammer Wind von vorne, der zwischendurch aber auch mal um 180 Grad drehte. Die Wolken brachen immer mehr auf, und verschwanden dann doch recht überraschend komplett zwischen zwei Mal hochgucken. Die Tagesaufgabe hatte eine ähnliche Form wie die gestern, aber wurde etwas mehr in den Süden verlegt, da der Wind doch eher nördlich und eher stärker erwartet wurde. Kaum schloss der Meet-Director das Briefing, brach eine aufgeregte Diskussion zu den (gestern gesetzten!) GAP-Parametern los, ein Pilot hielt einen minutenlangen Monolog in stark erhöhter Lautstärke, andere nickten oder schüttelten ihre Köpfe. Sämtliche Versuche von Vinicius, dem Meet-Director, die Diskussion abzubrechen und uns in die Luft zu bringen, scheiterten. Anscheinend hatte er die Hitzköpfe am Vorabend schon gebeten, ihre Bedenken schriftlich als offiziellen Complaint einzureichen - was nicht geschehen war. Schlussendlich wurden als Kompromiss Nominaldistanz und -Zeit reduziert, dann durften wir endlich starten.

Ich ging als zweiter raus, dann kam lange niemand mehr, weil ich anfänglich doch etwas Mühe hatte, die vom starken und aus ungewohnter Richtung blasenden Wind zerrissene Thermik zu nutzen. Mit der Zeit ging das dann immer besser, immer mehr Piloten halfen mit, die Schläuche zu finden. Weniger geholfen hat, dass ein Pilot "vergass" dass in unserem Kalender ab und zu zwei ungerade Tage hintereinander liegen können, wir also zwei Mal hintereinander vor dem Start links rum drehen. Nach dem Motto "was, ein Falschfahrer, das sind ja hunderte!" zerschoss er immer wieder unsere Pulks und liess sich auch durch Funkansagen der Wettkampfleitung und Zurufen keines Besseren belehren. Windig war's, die Wolken nahmen laufend zu, ich sehnte mir den Start herbei. Aber genau als der dann kam, war ich nicht so ideal positioniert, und weil in Richtung nächster Boje eh alles im Schatten lag, blieb ich zurück um noch einmal richtig Höhe zu machen.

Exakt eine Stunde später war ich immer noch an der gleichen Stelle, zusammen mit einer kleinen Gruppe inklusive dem Brasilien-Auswanderer Roland Zgraggen. Wir waren (alle in die gleiche Richtung drehend) einige Male über Grathöhe gestiegen, aber keiner hatte Lust, so tief loszufliegen. Der Rest des Felds war schon längst am Horizont entschwunden. Die nächste längere Sonnenphase brachte uns auf knapp 1900m, und endlich gingen auch wir die Aufgabe an. Das funktionierte für den grössten Teil der Gruppe genau bis zur Boje, wo sie landen mussten. Roli, ein Brasilianer und ich schafften es noch ein gutes Stück weiter, der beste Teil des Flugs waren die rund 5 km, die ich - unter geschlossener Wolkendecke - umgeben von hunderten von Urubus, der lokalen Geierart, zurücklegte. Diese Vogelwolke zeigte mir immer genau an, wo gerade das stärkste Steigen zu finden war. Die Vögel verhielten sich ganz anders als sonst in der Thermik, sie wirkten verspielt, jagten sich gegenseitig, machten Kapriolen wenn sie ein besonders starkes Steigen erwischten und irgendwie hatte ich das Gefühl, dass sie das ganz lustig fanden, dass ich mit ihnen mitspielte.

Hinter den Urubus wurde der Himmel immer dunkler, nach ein paar Regentropfen glitt ich dann über den inzwischen gelandeten Roli hinweg aus. Wählte einen kahlgeernteten Hügel (das reduziert das Risiko, von einer illegalen Stromleitung aus dem Himmel gesiebt zu werden) unweit der Hauptstrasse und landete. Der Handyempfang war eher schwach, also machte ich mich zu Fuss auf den Weg zur Hauptstrasse. Der Weg, den ich dafür aus der Luft ausgewählt hatte, erwies sich am Boden als Sackgasse, schlussendlich marschierte ich rund eineinhalb Stunden bis zur Strasse. Die Sturmböen sorgten zum Glück für etwas Abkühlung. Bei der Hauptstrasse angekommen, trafen der Laster, der jeweils unsere Schirme zum Starplatz fährt, und das Gewitter genau zur gleichen Zeit ein. Schwein gehabt!

Im Hauptquartier erwartete mich heute Rafael Saladini, der sich für seine penetrante Rechtsdreherei und Rechthaberei vor dem Start gar nicht genug entschuldigen konnte. Den Witz vom Falschfahrer hatte er noch nicht gekannt.

Ausbeute heute: Niemand kam ins Ziel, der Sieger legte von den 79 geplanten Kilometern deren 65 zurück, ich schaffte 35, Rang 48. Overall führt nun Mauricio de Albuquerque (lustig, nach Albuquerque werde ich im Oktober reisen), ich stehe auf Rang 6. Das ist allerdings noch alles mit viel Vorsicht zu geniessen, derzeit ist ein Complaint hängig gegen die ad-hoc-Anpassung der GAP-Parameter. Und nein, der ist nicht von mir! Während ich das schreibe, plätschert draussen der Regen, und die Prognosen für morgen deuten auf einen Ruhetag hin - viel Zeit, weiter über GAP-Parameter zu diskutieren. Juhui!

Das Laufsieger-Shirt
02 September 2019, Jörg Ewald

«Trainingstag und erster Tag (01 September 2019)
(02 September 2019) Tag 3, no task»


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